Diese Seite beinhaltet das Erholungskonzept für einen 25 Jahre intensiv bewirtschafteten Weinberg.
Erholungskonzept Weinberg «Merlot 2.0»
Stabilisierungs- und Übergangsjahr für einen 25-jährigen Merlot-Bestand.
1. Ausgangslage
Der Weinberg (Cademario, Parzellen 646 und 648, ca. 750 Merlot-Reben, 25 Jahre alt) wurde über viele Jahre intensiv bewirtschaftet und wird nun aus der Pacht zurückgenommen. Neben baulichen und terrainbezogenen Instandstellungen besteht die Absicht, das System Rebe–Boden–Bewirtschaftung zu stabilisieren und schrittweise in eine vernünftigere, resilientere Bewirtschaftung zu überführen, ohne qualitative Einbussen in Kauf zu nehmen.
2. Absicht
Ziel ist kein radikaler Umbruch, sondern primär eine gezielte Erholung des Systems bei laufender Beobachtung mittels gezielter Reduktion der Fruchtlast unter Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung. Sekundär soll durch die minimierte Menge eine Erhöhung der Weinqualität verifiziert werden.
Massnahmen an der Rebe:
Massive Ertragsreduktion: Entlastung der Reben mittels frühzeitiger Reduktion in der Geschein-Phase auf 1–2 Traubenbüschel pro Rebstock.
Selektive Traubenwahl: Belassen werden ausschliesslich gut positionierte, luftige Trauben, keine Doppelgescheine oder Nachläufer, bevorzugt in mittlerer Triebposition.
Physiologischer Aufbau: Aufbau von Reserven (Wurzel, Holz, Blatt) unter Beibehaltung einer normalen Laubwandpflege ohne extreme Entblätterung und ohne zusätzliche Wuchsstimulierung.
Monitoring & Pflanzenschutz: Keine routinemässigen Behandlungen, sondern Beobachtung des tatsächlichen Krankheitsdruckes; Eingriffe nur bei klar definierten Risikophasen. Falls nötig, Beschränkung auf im Biolandbau zugelassene Mittel.
Massnahmen im Weinberg (Begleitbepflanzung & Boden):
Unterstockmanagement: Mechanische Regulierung (Mähen) im Radius von ca. 30 cm um den Stock, um Wasser- und Nährstoffkonkurrenz in der Erholungsphase zu minimieren.
Nützlingsförderung an Terrassenrändern: Pflanzung von Lavendel, Rosmarin und Schafgarbe zur Schaffung einer Dauerstruktur für parasitische Nützlinge.
Gezielte Schädlingsstörung: Punktuelle Einsaat von Koriander und Dill (ca. alle 10 Rebstöcke), um Schlupfwespen und Florfliegen als natürliche Gegenspieler zur Essigfliege (Drosophila suzukii) zu fördern.
Bodenaktivierung: Dosierte Einsaat von Weissem Klee (Stickstofffixierung) und Phacelia (Durchwurzelung und Bodenstruktur) in den Fahrgassen.
3. Erwartete Wirkung
Im Erholungsjahr:
Ruhigeres Wachstum und bessere Durchlüftung der Traubenzone.
Substanziell reduzierter Krankheitsdruck und Pflanzenschutzaufwand.
Hoher Erkenntnisgewinn über die Resilienz des Altbestandes.
Qualitativ hochwertiges, beurteilbares Weinergebnis trotz (oder wegen) minimaler Menge.
Im Folgejahr:
Normaler Austrieb und gesteigerte Stressresilienz der Stöcke.
Gleichmässigerer Vegetationsverlauf durch stabilisierte Bodenbiologie.
Etabliertes Nützlingsnetzwerk zur langfristigen Reduktion invasiver Schädlinge.
Anhang
Pflanzenlisten (Link)