Die Spaltpilze der EU.

Warum das E6-Direktorium alles verändert. Unser strategisches Briefing «E6-Direktorium» vs. «Bilaterale III» kündigt eine grobe Verwerfung in der bisherigen Schweizer Europapolitik an. Es könnte das vorzeitige Ende der «Bilateralen III» bedeuten.
Mit der Gründung des E6-Machtzentrums (D, F, PL, IT, ESP, NL) Ende Januar 2026 hat sich die Geschäftsgrundlage der Schweizer Europapolitik fundamental verschoben. Die Aktion unter Leitung von Deutschland und Frankreich hat Spaltpotenzial.
Die praktische Umgehung der EU-27-Einstimmigkeit transformiert die Union in ein Grossmächte-Direktorium, das Verteidigung und Rohstoffsicherung ins Zentrum rückt. Nicht, weil Verträge formell geändert würden, sondern weil die politische Linie vorab im E6-Kreis festgelegt und danach offensichtlich in die EU-Mechanik eingespeist werden soll.
Wir zeigen im folgenden Briefing auf, warum diese Veränderung aus unserer Sicht das Ende der «Bilateralen III» bedeuten kann. Die Folgen sind allerdings klar: Die für März 2026 geplante Unterzeichnung wäre auszusetzen. Doch vorerst wird noch weggeschaut.
Obwohl jetzt Initiative gefragt wäre: Statt einer nun noch verstärkteren institutionellen Unterordnung sollte die Schweiz die Chance nützen und eine «Allianz der Souveränen» (mit Partnern wie Österreich) bilden, die den reinen Freihandel ohne politische Preisgabe ins Zentrum stellt.
Lassen Sie uns gerne Ihr konstruktives Feedback zukommen. Wir bedanken uns für Ihr Interesse und Ihre Lesertreue.
Roland Voser & Maurizio Vogrig, 3. Februar 2026
A. Die neue Faktenlage ist klar.
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 27. Januar 2026 forcieren Deutschland und Frankreich ein neues Machtzentrum innerhalb der EU: das E6-Direktorium (D, F, PL, IT, ESP, NL).
Laut Reuters geht es darum zu klären, wie europäische Massnahmen beschleunigt und ambitionierter gemacht werden können. Kernbereiche sind Koordinierung der Verteidigungsausgaben, eine radikale Reform der Kapitalmärkte und Sicherung kritischer Rohstoffe zur Abgrenzung gegenüber China.
Diese Initiative wird massgeblich von den Finanzministern Lars Klingbeil (D) und Roland Lescure (F) vorangetrieben. In einer gemeinsamen Erklärung (BMF-Meldung 03/2026) betonten beide, dass das E6-Direktorium kein blosser Debattierclub ist, sondern Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit zum Schwerpunkt des nächsten mehrjährigen EU-Haushalts machen wird.
Inhaltlich rückt die industrielle und militärische Souveränität ins Zentrum der EU-Finanzplanung. Dies geht weit über den reinen Binnenmarktgedanken hinaus. Prozessual wirkt das E6-Direktorium als faktische Umgehung der EU-27-Konsenslogik: Die politische Entscheidung fällt im kleinen Kreis, die EU-27 vollzieht.
B. Die abgeleitete Entwicklungshypothese ist wenig überraschend.
Damit kündigt sich eine weitere Transformation der EU an: Vom wirtschaftlich orientierten Friedensprojekt EWG der Nachkriegszeit, über die machtzentrierte politische Union EU nach der Wende nun also in Richtung eines Grossmächte-Direktoriums E6 in der neuen tripolaren globalen Welt.
Ausserhalb des E6-Direktoriums werden die anderen assoziierten Staaten in die Vollzugsrolle versetzt. Das E6-Direktorium offenbart der Schweiz die «Bilateralen III» als das schwächste aller Integrationsmodelle. Die neue Machtarchitektur verdeutlicht dies unmissverständlich:
E6-Kern: Strategische Taktvorgabe und Machtpolitik.
EU-Kommission: Operative Umsetzung politischer Leitlinien, die von den grossen Mitgliedstaaten vorgeprägt werden.
EU-27: Formelle Entscheidverfahren, in denen der politische Takt durch E6 vorgegeben wird.
EWR: Formeller Nachvollzug ohne Einfluss.
Schweiz (Bilaterale III): Passives Ende der Nahrungskette.
C. Die Lageveränderung offenbart zu grosse Inkompatibilität mit dem Schweizer Rechtsverständnis.
Aufgrund der Verteidigungskoordination kann der EU-Marktzugang für die Schweiz stärker sicherheitspolitisch beeinflusst werden, weil Standards für Technologie und Rohstoffe mit strategischen Interessen verknüpft werden.
Die «Bilateralen III» werden in Kombination mit einem sicherheitspolitisch koordinierten E6-Direktorium mit der bewaffneten Neutralität inkompatibel, sobald Marktzugang und Kooperation an die sicherheitspolitische Ausrichtung der EU geknüpft werden: Sobald die EU Verteidigung, Technologie, Rohstoffe und Beschaffung als zusammenhängende Sicherheitsarchitektur behandelt, werden Marktzugang und Kooperation über Standards, Zulassungen, Ausschreibungen, Exportkontrollen und Lieferkettenregeln faktisch an sicherheitspolitische Loyalität gekoppelt.
Die angeschlagenen E6-Länder Deutschland und Frankreich nutzen «die Idee der zwei Geschwindigkeiten», um Blockaden zu umgehen, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und auch, um von innerstaatlichen Krisen abzulenken.
Die Wortführer der E6 werden willkürlich ihre nationalen Interessen über Verträge stellen, so wie in Krisen und politisch sensiblen Situationen nationale Interessen regelmässig priorisiert werden (Beispiele: Maskenlieferungen Deutschland während der Pandemie, öffentliche Auftragsvergabe Italien).
Das E6-Direktorium operiert als informelles Gremium ausserhalb der EU-Verträge und wirkt vor allem vor-parlamentarisch, bevor formelle EU-Verfahren und parlamentarische Kontrolle greifen. Dies betrifft sowohl die Parlamente der Mitgliedstaaten als auch das EU-Parlament.
Die Schweiz würde sich bei einer Unterzeichnung der «Bilateralen III» nicht an eine berechenbare Rechtsgemeinschaft binden, sondern an politische Vorentscheide eines kleinen Kreises, die sich der direkten demokratischen Kontrolle in der Schweiz entziehen.
Das E6-Direktorium stellt einen klaren Gegenentwurf zum schweizerischen Rechtsverständnis und zur direkten Demokratie dar, da das Volk mit den «Bilateralen III» über Regeln abstimmen müsste, deren Ursprung in einem intransparenten Machtzirkel liegt.
D. Das «März-Moratorium» wäre der richtige Notausgang.
Die «Bilateralen III» sind bereits heute eine grosse Zerreissprobe für die Schweiz. Mit der jüngsten Entwicklung in der EU spitzt sich diese Situation zu. Es zeigt sich zunehmend, dass der aktuelle Zeitpunkt für die Neuordnung der Beziehungen mit der EU nicht der Richtige ist. Der globale Wandel gibt dazu kein stabiles Umfeld für die von der Schweiz gesuchte Sicherheit. Sie muss das erkennen und sich geschickt neu ausrichten.
Die folgenden Schwerpunkte in der Europapolitik liegen auf der Hand:
Aussetzen der geplanten Unterzeichnung der «Bilateralen III» durch Bundespräsident Parmelin im März 2026, da sich mit dem E6-Direktorium die Grundlage für die «Bilateralen III» substanziell verändert hat.
Konsequenter strategischer Fokus auf reinen Freihandel.
Klares Bekenntnis zu direkter Demokratie, Föderalismus und der bewaffneten Neutralität.
Prüfung und Bildung einer «Allianz der Souveränen», die beispielsweise Österreich und die Schweiz umfassen könnten.
Die Schweiz sollte jetzt den Dialog mit Staaten wie Österreich oder Irland suchen. Diese Länder werden durch die militärische Stossrichtung des E6-Direktoriums ebenfalls an den Rand gedrängt.
Ziel muss ein gemeinsamer wirtschaftlicher Kooperationsstatus sein, der explizit von sicherheitspolitischen Verpflichtungen und institutionellen Automatismen entkoppelt ist, die Neutralität ihrer Mitglieder respektiert und «Frieden durch Handel» realisiert.
E. Das Fazit ist schlüssig.
Die «Bilateralen III» werden von den Ereignissen überrollt. Sie sind bereits überholt, bevor sie offiziell debattiert werden.
Das E6-Direktorium schafft eine neue Realität, die mit einer Teil-Integration der Schweiz in die EU nicht vereinbar ist.
Die Position der Schweiz innerhalb der neuen Machtarchitektur ist für die Schweiz zu nachteilig.
Die Schweiz soll ihre strategischen Optionen realistisch prüfen und das EU-/Europa-Setting wie folgt ausrichten und ausgestalten:
«Beobachterstatus E6»: Prüfen, ob Schweiz Beobachterstatus im E6-Direktorium einnehmen könnte.
«Allianz der Souveränen»: Bildung eines Gegengewichts souveräner und neutraler Staaten.
«EU Status Quo»: Sistierung der «Bilateralen III».
Die aktuelle Lageveränderung kann nicht ignoriert werden und erzeugt zusätzlichen aussenpolitischen Handlungsbedarf.
Digitale Freiheit. Keine Meinungslenkung.
Das geplante Gesetz für Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG) gefährdet die Meinungsfreiheit und delegiert staatliche Aufgaben an US-Tech-Unternehmen. Die Schweiz braucht keine «private Judikative», sondern eine wirkungsvolle Justiz gleichermassen für den öffentlichen UND digitalen Raum.
(c) 2018: Luganese, Kanton Tessin, Schweiz, Foto: Maurizio Vogrig
Dieses Paket braucht Klartext. Für die Schweiz.
Unser Nein zur Vernehmlassung zum Paket Schweiz-EU. Von Bürgern für den Bundesrat. Mit neun Seiten Klartext nach etwas über drei Monaten intensiver Arbeit. Unser Schluss aus Bürgersicht: Wir lehnen die neue Grundidee der «Integration statt Kooperation» klar ab.
(c) 2019: San Salvatore, Kanton Tessin, Schweiz, Foto: Roland Voser
Schweizsicht.
Die Sterne stehen für Tragweite, doch die Entscheidung fällt hier. Mit dem Paket Schweiz-EU steht unser Land vor einer existenziellen Zäsur. EU-Gesetze sollen gelten, ohne in einem Schweizer Gesetzbuch zu stehen. Ob wir das wollen, müssen wir selbst beurteilen. Die Regierung möchte es tun. Wir empfehlen es nicht. Die folgende Artikelserie liefert Ihnen die Begründung.
(c) 2017: Alpe Agra, Cademario, Kanton Tessin, Schweiz, Foto: Maurizio Vogrig
smartmyway unterwegs.
(c) 2018: Alpe Agra, Kanton Tessin, Schweiz, Foto: Maurizio Vogrig
Seit 2018 Chief Editor, Mitbegründer, Verwaltungsrat und Teilhaber von smartmyway, Autor, Coach, Mentor und Berater. Vorher als Geschäftsführer von Media Markt E-Commerce AG, Media Markt Basel AG, Microspot AG sowie in den Geschäftsleitungen von Interdiscount AG und NCR (Schweiz) AG tätig. Heute Digital Business Coach und Schreiberling.
Experte für Digitalisierung, Agile SW-Entwicklung, Digital-Business, Handel, Sales & Marketing, E-Commerce, Strategie, Geschäftsentwicklung, Transformationen, Turn Around, Innovation, Coaching, erneuerbare Energien, Medien, Professional Services, Category Management, Supply Chain Management


