be free. stay free. stay tuned.

Eine Idee für ein Strategiehaus zur systemischen Positionierung der Schweiz in einer veränderten Weltordnung anlässlich des Pakets Schweiz-EU.

Das Strategiehaus: Ein Strategie-Kompass für die Schweiz.

A. Eine Positionierungshilfe für Politikinteressierte in einer neuen tripolaren Welt

A.1 Einführung & Motivation

Die Welt hat sich fundamental verändert. Neue Konflikte zeigen eine neue Ausprägung der Machtblöcke, bestehende Strukturen verlieren an Gültigkeit. Die Konflikte zwischen dem Westen und Russland sowie zwischen den USA und China sind Zeugen davon. Für die Schweiz ist allerdings auch der Konflikt zwischen den USA und der EU belastend.

Damit werden die politischen Diskussionen grundsätzlicher. Sie zeigen, dass ein gemeinsames Grundverständnis für die Positionierung der Schweiz über das letzte Vierteljahrhundert abhanden gekommen ist. Allmähliche Entwicklung hat den Vorteil der Verträglichkeit. Andererseits geht damit eine Verwässerung relevanter Aspekte einher. Ein gutes Beispiel dafür ist die von Bundesrat Ignazio Cassis eingebrachte «kooperative Neutralität», die die bisherige «Schweizer Neutralität» offen in Frage stellt.

Dieses Defizit an gemeinsamer Gesprächsbasis will das vorliegende Framework beheben. Zum einen bietet es in Anlehnung an den «Golden Circle» von Simon Sinek (Link) eine Struktur für die strategische Ausprägung der Schweiz. Zum anderen kann es als strategisches Prüfinstrument für politische Hypothesen und Vorlagen dienen, indem es deren Systemverträglichkeit einfach sichtbar macht.

A.2 Ein innovativer Ansatz für die direkte Demokratie

Dieses Framework schliesst eine wesentliche Lücke in der aktuellen politischen Landschaft. Während herkömmliche Tools meist nur Einzelaspekte oder Sachfragen vergleichen, überträgt das Strategiehaus bewährte Prinzipien der strategischen Unternehmensführung auf die staatspolitische Ebene. Gemäss unseren Recherchen ist es ein Novum, dass der «Golden Circle» von Simon Sinek genutzt wird, um die systemische Verträglichkeit politischer Vorlagen mit der Schweizer Identität messbar zu machen. Damit wird aus einer emotional geführten Debatte ein strukturierter Strategie-Check, der die langfristigen Auswirkungen auf das Fundament des Landes sichtbar macht.

B. Ein Strategiehaus für die Positionierung der Schweiz

B.1 Übersicht

Das Framework ist wie ein Gebäude in drei Ebenen aufgebaut: Eine Ebene trägt die nächste, und zwar von unten nach oben. Die Ebenen entsprechen den Warum-Wie-Was-Kreisen aus Simon Sinek’s Golden Circle. Das Strategiehaus können Sie hier als Excel-Datei herunterladen (Link).

Die Bewertung einer Vorlage oder Hypothese erfolgt aus eigener Sicht für jede der 12 Boxen aus dem Strategiehaus. Fördert die Vorlage die jeweilige Box, dann wird sie grün eingefärbt. Analog rot, wenn die Vorlage kontraproduktiv für die Box wirkt. Sowie gelb, wenn sie positive und negative Aspekte aufweist, die sich insgesamt die Waage halten.

B.2 Das WARUM steht für Zweck & Antrieb

Diese Ebene macht klar, warum die Schweiz die Schweiz ist. Welche Werte die Identität der Schweiz ausmachen. Sie stellt den kleinsten gemeinsamen Nenner der Menschen in der Schweiz dar. Wenn hier Unstimmigkeit herrscht, verliert das Land seinen inneren Kompass, und innere Konflikte werden so schwerwiegend, dass sie zu einer Zerreissprobe führen.

  • Die Schweiz ist selbstbestimmt: Die Grundhaltung ist, dass jede(r) am besten selbst weiss, was für sie/ihn am besten ist. Im Rahmen der Gesellschaft ist dies ein klares Bekenntnis zur Dezentralität: Entscheidungen sollen dort getroffen werden, wo sie Wirkung entfalten. Freiheit im Denken und Unabhängigkeit im Entscheiden sind Voraussetzungen dafür.

  • Die Schweiz handelt eigenverantwortlich: Der Grundsatz ist, dass jede(r) für seinen Erfolg selbst zuständig ist. Das Wissen, dass von Nichts tatsächlich Nichts kommt, ist unumstösslich. Genauso, wie der eigene Erfolg nie zu Lasten von anderen gehen darf. Eine faire Leistungsgesellschaft ist der Rahmen dazu.

  • Die Schweiz ist solidarisch: Die Überzeugung, die richtigen Dinge gemeinsam dort besser zu tun, wo die Kraft des Einzelnen endet oder wo es die Gemeinschaft besser tun kann. Stärkere unterstützen Schwächere, und die Mehrheit sorgt für Minderheiten. Sie tun dies, ohne die eigene Lebensgrundlage zu gefährden.

B.3 Das WIE steht für Fundament & Prinzipien

Diese Ebene beschreibt das Regelwerk der Schweiz, aufgrund dessen sich das Land weiterentwickelt und an das sich alle halten.

  • Direkte Demokratie: Die Rolle der Bürgerinnen und Bürger als Souverän, also als oberste Instanz im Staat. Dazu gehört insbesondere das Recht der Bürgerinnen und Bürger, bei Sachfragen direkt mitzubestimmen. Damit kontrollieren sie wirksam die Macht im Land.

  • Föderalismus: Probleme werden dort gelöst, wo sie entstehen (dort entscheiden, wo es wirkt). Das ist die organisatorische Umsetzung von Dezentralität.

  • Bewaffnete Neutralität: Der Garant, dass die Schweiz neutral bleiben kann und das Leben nur zur Verteidigung des eigenen Landes riskiert wird und dass die Schweiz das Machtvakuum inmitten Europas glaubhaft schliesst.

  • Konkordanz: Der Einbezug aller relevanten Kräfte, um stabile, mehrheitsfähige Lösungen finden und umsetzen zu können.

B.4 Das WAS steht für Ausrichtung & Schwerpunkte

Diese Ebene beinhaltet die strategischen Erfolgspositionen, auf die Initiativen der Schweiz unterstützend wirken müssen. Sie sind die Orientierungspunkte für das Handeln der Schweiz in der Welt.

  • Wohlstand: Wertschöpfung schaffen und halten, um Lebensqualität und Tragfähigkeit des Landes langfristig zu sichern.

  • Innovation: Erneuern können und vorne bleiben, um aus eigener Stärke neue Lösungen, Technologien und Wettbewerbsvorteile zu entwickeln.

  • Vernetzung: Weltweit handeln und verbinden, um prosperierenden Handel zu betreiben und sinnvolle Allianzen bilden zu können, solange diese sich nicht gegenseitig ausschliessen.

  • Resilienz: Versorgung sichern und Schocks aushalten, um Stabilität und Funktionsfähigkeit auch in Krisen zu gewährleisten.

  • Handlungsfähigkeit: Schnell entscheiden und umsetzen, um Chancen zu nutzen und Risiken aus dem Umfeld der Schweiz wirksam zu adressieren.

C. Das Strategiehaus als Ampel-Check

C.1 Erklärung

Um eine Vorlage zu beurteilen, gehen Sie die 12 Boxen durch und vergeben Farben:

  • GRÜN (Förderlich): Die Vorlage stärkt diesen Punkt aktiv.

  • GELB (Sowohl als auch): Die Vorlage hat positive und negative Aspekte, die sich etwa die Waage halten.

  • ROT (Kontraproduktiv): Die Vorlage schwächt diesen Punkt aktiv.

Beispiel: Eine Vorlage mag im Bereich WAS (z.B. Vernetzung) noch so glänzen, wenn sie aber dafür im Bereich WIE (z.B. Direkte Demokratie) oder WARUM (z.B. Selbstbestimmung) eine rote Box verursacht, gefährdet sie die langfristige Stärke des gesamten Schweizer Systems.

Es folgen zwei Beispielbewertungen am Beispielthema «Bilaterale III». Diese wurden von zwei unterschiedlichen KIs vorgenommen, die ausser dem Prompt nicht weiter inhaltlich positioniert wurden. Es wurden zwei KIs eingesetzt (ChatGPT 5.2 Thinking und Gemini 1.5 Flash), weil nicht die Meinung des Autors widergespiegelt, sondern das Strategiehaus als Prüfinstrument anhand tatsächlich erhobener Meinungen realistisch dargestellt werden soll.

Der Prompt dazu war: «Hier ist das Strategiehaus für die Schweiz. Du bist Schweizer Bürger und arbeitest als Analytiker. Färbe das Strategiehaus für die «Bilateralen III» mit den Farben gemäss der Bewertungslegende ein. Bewerte jeden Block nur mit einer Farbe. Erstelle einen Gesamtkommentar für das ganze entstandene Bild.»

C.2 Beispiel «Bilaterale III» (Bewertung durch KI A)

Das Strategiehaus zeigt eine klare Asymmetrie. Im WAS ist der Hauptgewinn die Vernetzung, während die übrigen Schwerpunkte gemischt ausfallen. Gleichzeitig entstehen im WARUM und im WIE strukturelle Belastungen, insbesondere bei Selbstbestimmung und direkter Demokratie.

Damit liegt die strategische Bruchlinie nicht bei der Frage pro oder contra Europa, sondern bei der Abwägung zwischen besserer Vernetzung und institutioneller Selbststeuerung. Ein starkes WAS kann die roten Felder im Fundament und beim Zweck («Purpose») nicht kompensieren.

C.3 Beispiel «Bilaterale III» (Bewertung durch KI B)

Das Bild zeigt eine tiefe strukturelle Kluft zwischen operativem Nutzen und staatspolitischer Identität. Während die Ebene «WAS» fast durchgehend grün leuchtet und das Paket als unverzichtbare Wohlstandsversicherung ausweist, bluten die Fundamente «WIE» und «WARUM» an den Stellen aus, die den Schweizer Sonderfall definieren (Direkte Demokratie, Selbstbestimmung).

Die Kernbotschaft des Bildes:

  • Wirtschaftliche Notwendigkeit: Das Paket ist die Antwort auf eine Welt der Machtblöcke durch Teilintegration in die EU.

  • Systemisches Risiko: Die Häufung von roten und gelben Boxen in der Basis zeigt, dass die Bilateralen III kein reiner Marktzugang sind, sondern ein institutioneller Umbau.

  • Der «Trade-Off»: Das Framework macht deutlich, dass die Schweiz Vernetzung und Innovation mit Machtverschiebung tauscht. Der ökonomische Leuchtturm (WAS) steht auf einem politisch fragileren Fundament (WARUM/WIE).

 Das Bild warnt davor, dass die grüne Farbe oben die rote Farbe unten nur so lange kompensiert, wie der Wohlstandsgewinn im Alltag spürbar bleibt. Bei nur marginalem zusätzlichem Wachstum wird die politische positive Vermittlung dieser «roten Fundamente» zur grössten Zerreissprobe der Schweizer Konkordanz.

D. Schlussbemerkungen

Das Strategiehaus ist keine wissenschaftliche Erhebung, sondern ein pragmatisches Prüfraster für eine Vorlage aus Bürgersicht. Es erlaubt auch Nicht-Experten eine systematische Analyse zu einer Vorlage vorzunehmen oder die Argumentation von Experten besser einzuordnen.

Es hilft dabei, die Vorlage nicht nur hinsichtlich eines kurzfristigen Nutzens zu bewerten, sondern die Frage zu klären, welche Positionierung der Schweiz sie langfristig stärkt oder schwächt.

Das Framework führt damit weg von Einzelfakten hin zu Zielkonflikten. Es zeigt, wo genau eine Vorlage die Schweiz stärker macht und wo sie den Handlungsspielraum, die Mitbestimmung oder die Stabilität des Systems belastet.

Im Fall der «Bilateralen III» zeigt das Raster eine klare Asymmetrie:

  • Auf der Ebene WAS entstehen Vorteile vor allem über Vernetzung und planbarere Rahmenbedingungen.

  • Gleichzeitig verschieben sich im WARUM und im WIE zentrale Steuerungsfragen weg von der Schweiz und somit weg von der direkten Demokratie.

Die Debatte ist damit nicht primär «pro oder contra Europa», sondern eine Abwägung zwischen Vernetzung und institutioneller Selbststeuerung. Dort liegt die strategische Bruchlinie: Wenn Selbstbestimmung und direkte demokratische Mitbestimmung strukturell belastet werden, reicht ein gutes WAS nicht aus, um das System als Ganzes als förderlich zu qualifizieren.

Das Strategiehaus ist kein starres Urteil, sondern ein lebendiges Dialoginstrument. Es befähigt Politik und Gesellschaft, Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen und Lösungen zu entwickeln, die nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern systemisch tragfähig sind.

Das Haus der Schweiz bleibt nur dann stabil, wenn das Fundament der Prinzipien und Werte die Last der strategischen Entscheidungen tragen kann.