EINE ÜBERSICHT DER FAKTENLAGE ZUR ZUWANDERUNG ANLÄSSLICH DES PAKETS SCHWEIZ-EU («BILATERALE III»). MIT EINER AUFBEREITUNG DER BFS- UND SEM-STATISTIKEN UND EINER KURZANALYSE.
Die Faktenlage zur Zuwanderung in die Schweiz (Stand 6. Juni 2026).
(c) 2026 Undurchsichtige Blumenlage, Cademario, Tessin, Schweiz, Foto: Roland Voser
Problem - Feststellungen - Handlungsfelder.
Für Aussenstehende fehlt zur Zuwanderung eine verlässliche Entscheidungsgrundlage.
Im Vorfeld einer Abstimmung sollen sich die Stimmenden eine fundierte Meinung bilden können. Dazu gehört eine zweckmässige, unabhängig aufbereitete und neutrale Faktenlage. Wie die hauptsächlich unsachliche Diskussion im Vorfeld der Abstimmung zur Nachhaltigkeitsinitiative zeigt, ist diese nicht vorhanden.
Also sind die Primärquellen massgebend. Wir haben beim Paket Schweiz-EU gelernt: Die einseitige Kommunikation der Verwaltung und die abenteuerlichen Erläuterungen des Bundesrates sind nicht nur für Kritiker keine Hilfe, sondern sorgen in den Diskussionen für viel Verwirrung. Im Zusammenhang mit der Zuwanderung und der Bevölkerungsentwicklung sind die Informationen vom Bundesamt für Statistik (BFS) und vom Staatssekretariat für Migration (SEM) massgebend.
Zuwanderung ist mit dem Freizügigkeitsabkommen ein zentrales Thema im Paket Schweiz-EU. Die Nachhaltigkeitsinitiative («10-Millionen-Initiative») hat die nötige nationale Diskussion dazu akzentuiert lanciert und verankert. Im Folgenden wurden zur Zuwanderung die grundlegenden Eckpunkte in 10 Tabellen erhoben und mit Schlussfolgerungen kurz kommentiert.
Die Faktenlage zeigt eine strukturelle Schieflage im Bevölkerungswachstum.
Die Basisarbeit von Bundesrat und Bundesverwaltung ist ungenügend. Es gibt keine zweckmässig umfassende Faktenlage, die den Stimmenden als nötige Entscheidungsgrundlage dienen kann. Der so verursachte Aufwand für die Stimmenden ist für die Mehrheit praktisch nicht zu leisten.
Die Schweiz integriert erfolgreich Ausländer. In anderen europäischen Ländern sind die Konflikte aus der Zuwanderung offen sichtbar. Kolonialgeschichte, Staatsform und andere Faktoren mögen dies begünstigen. Staat und Polizei haben letztlich die Lage nicht mehr vollständig unter Kontrolle. Nicht so die Schweiz. Berücksichtigt man die Einbürgerungen der letzten Jahre, dann beträgt die ausländische Wohnbevölkerung tatsächlich fast die Hälfte der Wohnbevölkerung mit Schweizer Pass. Eine wesentliche Ursache dürfte das Verantwortungsbewusstsein der Menschen gegenüber «ihrem» Staat bzw. «ihrer» Schweiz sein. Entscheidend dürfte auch sein, dass zum Beispiel 2024 rund zwei Drittel Erwerbstätigkeit als Einwanderungsgrund angeben, zusammen mit Familiennachzug und Weiterbildung liegt dieser Anteil bei über 90%. Die Konflikte beschränken sich auf einzelne Attentäter und ihre Strömungen, die allerdings mit der nötigen Sorgfalt und Achtsamkeit zu neutralisieren sind.
Die Schweiz wächst überdurchschnittlich und substanziell. Die Schweizer Bevölkerung ist seit 1990 um durchschnittlich rund 1% pro Jahr gewachsen. Sie wuchs von 7.9 Millionen im Jahr 2010 auf 9.1 Millionen im Jahr 2024. Dies ergibt einen Zuwachs von 1.2 Millionen Menschen in 14 Jahren (plus 15%). Die ausländische Wohnbevölkerung ist in dieser Zeit um 40% gewachsen. Das Bevölkerungstotal inkl. nichtständiger Wohnbevölkerung und Grenzgänger liegt bereits knapp über 9.5 Millionen. Auffällig ist die hohe «Drehung» von Ein-/Auswanderung zu den effektiv Bleibenden, was grundsätzlich auf eine hohe Ineffizienz im Zuwanderungssystem Schweiz hindeutet.
Der Ausländeranteil prägt das Wachstum zunehmend, was gezielte Integrationsarbeit bedeutet. Das Wachstum wird primär durch die ständige ausländische Wohnbevölkerung getrieben, insbesondere durch Aufenthalter B und Niedergelassene C (ca. 2/3 EU/EFTA, 1/3 Drittstaaten). Die Schweizer Wohnbevölkerung wächst ebenfalls, jedoch hauptsächlich durch Einbürgerungen und nicht durch Geburten. Der Geburtenüberschuss ist langfristig rückläufig und bei den Schweizern zuletzt negativ. Gleichzeitig nimmt der Schweizeranteil an der Gesamtbevölkerung um 5 Prozentpunkte ab, der Ausländeranteil steigt entsprechend um 5 Prozentpunkte.
Die Grenzgänger gehören in den Fokus der Gesamtdiskussion. Die 406'000 Grenzgänger (+74% seit 2010) leisten einen erheblichen Beitrag zur Schweizer Wirtschaft und tragen zum Wohlstand des umliegenden Auslands bei. Sie erscheinen aber weder in der Bevölkerungsstatistik noch im BIP/Kopf. Die Schwerpunkte liegen in den Kantonen Genf, Tessin, Waadt und der Region Basel sowie in den Branchen Bau/Planung, Gesundheit/Pflege und unternehmensnahe Dienstleistungen. Nicht diskutiert wird, was weiteres Grenzgängerwachstum für die Schweiz für Chancen und Risiken beinhaltet und was dies langfristig bedeutet.
Die Branchen Bau/Planung sowie Gesundheit/Pflege/Betreuung beschäftigen viele Grenzgänger, viele ausländische Arbeitskräfte und weisen gleichzeitig eine überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit im Inland auf. Die Arbeitslosigkeit ist ausserordentlich tief, das Verhältnis von Arbeitslosen zu offenen Stellen hat sich seit 2010 von 9:1 auf 3:1 verbessert. Knapp 49% der ständigen Wohnbevölkerung sind erwerbstätig. Auffällig ist jedoch, dass dieselben Branchen, die stark auf Grenzgänger und ausländische Arbeitskräfte setzen, gleichzeitig die höchsten Arbeitslosenquoten aufweisen. Dazu gesellt sich Gastronomie/Tourismus mit einer überdurchschnittlichen Arbeitslosenquote. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass der Inländervorrang ungenügend greift und Personalrisiken zunehmend auf den Personalverleih und damit letztlich auf das Gemeinwesen abgewälzt werden.
Erwerbstätigkeit und Ausbildung/Weiterbildung ist sehr attraktiv. Im Durchschnitt von 2010 bis 2024 geben 72% aller Personen als Einwanderungsgrund Erwerbstätigkeit (63%) und Aus-/Weiterbildung (9%) an. Zählt man den Familiennachzug (19%) hinzu, sind 92% abgedeckt. Der Rest macht 8% aus. Die Erwerbstätigkeit und die Ausbildung/Weiterbildung ist für die Eingewanderten ausserordentlich attraktiv.
Die Asylschiene muss separat betrachtet werden. Die offiziellen Statistiken erfassen die Asylschiene beim Einwanderungsgrund mit rund 4%. Diese Zahl ist jedoch methodisch irreführend: Die SEM-Statistik erfasst nur den Einwanderungsgrund bei Erstzulassung. Wer über die Asylschiene einreist und einen positiven Entscheid erhält, kann fortan als Aufenthalter B, Niedergelassener C oder anerkannter Flüchtling erscheinen und ist statistisch nicht mehr als ehemaliger Asylsuchender erkennbar. Hinzu kommen rund 68'000 ukrainische Schutzbedürftige (Status S), die in der Einwanderungsstatistik gar nicht auftauchen. Der tatsächliche Umfang der Asylschiene und ihr langfristiger Verbleib in der Schweiz ist in keiner der im Folgenden verfügbaren Statistiken ersichtlich und muss separat erhoben werden. Während das SEM von rund 235’000 Personen im Asylbereich spricht, sind von 2010 bis 2024 rund 480’000 Personen über die Migrationsschiene in die ständige Wohnbevölkerung gewechselt. Diese Abweichung kann durch Einbürgerungen, Wechsel in ordentliche Aufenthaltsbewilligungen, Ausreisen, Wegweisungsvollzug und Todesfälle erklärt werden. Sie ist ein Indikator, dass die Asylschiene deutlich mehr die Schweizer Bevölkerungsstruktur beeinflusst, als ihr Bestand per Ende 2025 vermuten lässt.
Der Teilzeitgrad bleibt seit Jahren stabil. Entgegen den Behauptungen, dass die Menschen weniger arbeiten würden, zeigt das Verhältnis von beschäftigten Köpfen zu den Vollzeitäquivalenten ein seit 2010 stabiles Verhältnis. Auch der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung ist nicht rückläufig, sondern moderat zunehmend.
Die Schweiz wird älter, Europa wird bald aus dem gleichen Grund nicht mehr helfen können und Drittstaaten werden zur entscheidenden Alternative. Die Bevölkerung altert sichtbar und folgt damit dem europäischen Trend. Die Anteile der über 54-Jährigen nehmen in der Schweiz um 1–2 Prozentpunkte zu, jene der unter 55-Jährigen nehmen ab. Die einzige absolut rückläufige Altersgruppe sind Schweizer zwischen 40 und 54 Jahren. Dies ist möglicherweise erklärbar durch den Pillenknick und die überdurchschnittliche Auswanderung gut ausgebildeter Schweizer dieser Jahrgänge. Diese Lücke wird in dieser Altersgruppe durch ausländische Zuwanderung teilweise kompensiert, aber nicht vollständig geschlossen.
Daraus ergeben sich grob folgende Handlungsfelder:
Integration: Soll die Schweiz weiterhin erfolgreich ihren Wohlstand und Lebensstandard halten können, benötigt es eine Integrationsstrategie mit dem Ziel, dass der ganzen Bevölkerung inklusive der politischen Führung die Bedeutung der Grundwerte der direkten Demokratie, bewaffneten Neutralität, des Föderalismus und der Konkordanz unmissverständlich klar ist. Über das Erfolgsrezept der Schweiz muss Einigkeit herrschen.
Overhead: Das Bevölkerungswachstumssystem Schweiz verursacht eine hohe «Drehung»: Erheblich mehr wandern ein- und aus, als tatsächlich bleiben. Das deutet auf Ineffizienzen hin, die durch die Allgemeinheit getragen und ausgeglichen werden. Diese sollen zumindest nicht weiter begünstigt werden.
Problembranchen: Diese Branchen profitieren aufgrund der Beschäftigtenzahl und deren Wachstum am meisten vom Bevölkerungswachstum: Bau/Planung und Gesundheit/Pflege/Betreuung sind Beispiele dafür, weil sie viele ausländische Arbeitskräfte nützen und gleichzeitig überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit im Inland aufweisen. Damit werden Lasten der Allgemeinheit übertragen, die andere Branchen selbst schultern. Dieser Kostenverlagerung muss entgegengewirkt werden.
Attraktivität: Wenn die Erwerbstätigkeit und die Aus-/Weiterbildung in der Schweiz überdurchschnittlich attraktiv sind, gleichzeitig Arbeitslosigkeit bei der Inlandbevölkerung vorhanden ist und Studienabgänger keine Anstellung finden, dann muss an diesem Punkt ein Ausgleich geschaffen werden. Damit soll Chancengleichheit zwischen inländischen und ausländischen Kandidaten geschaffen werden.
Asylschiene: Dem Asylbereich gehört ein spezielles Augenmerk, weil ein erheblicher Teil der Asylsuchenden aus Staaten oder Regionen stammt, in denen Rechtsstaat, Gleichstellung und demokratische Mitbestimmung nicht gleich verankert sind wie in der Schweiz. Diese kulturelle Distanz ist grösser als bei anderen Zuwanderungsschienen und erfordert entsprechend mehr staatliche Ressourcen, Zeit und Konsequenz. Fehlt ein Entgegenwirken, kann dies kurzfristig zu Konflikten führen und könnte langfristig die Lebensqualität der ganzen Bevölkerung beeinflussen. Dieser Umstand darf nicht dem Zufall überlassen werden.
Alterung: Die Schweiz muss die Frage beantworten, wie sie langfristig mit der Alterung der Gesellschaft umgehen will. Soll die Alterung bekämpft werden oder lebt man damit und stellt sich darauf ein. Ohne Gesamtkonzept und ohne entsprechendes Massnahmenbündel wirkt jedoch einseitig quantitatives Wachstum als Schneeballsystem und verlagert die Probleme entsprechend verstärkt in die Zukunft.
Fakten.
Tabelle 1: Langfristentwicklung.
Die BFS-Zahlen stehen in einer Zeitreihe erst von 2010 bis 2024 zur Verfügung (ohne Methodenbruch ab 2011). Die Tabelle 1 zeigt, dass im Vergleich zu den längeren Zeiträumen 1 und 2 (1990 bis 2024 bzw. 2026) der Zeitraum 3 (2010 bis 2024) der gleichen Tendenz folgt.
Damit kann dieser kürzere Zeitraum als repräsentativ für eine längere Entwicklung angenommen werden. Grob wächst die Bevölkerung der Schweiz ab 1990 pro Jahr um rund 1%.
Tabelle 2: Bevölkerungsbestand Schweiz.
Die Nachhaltigkeitsinitiative verlangt eine Begrenzung der ständigen Wohnbevölkerung bei 10 Millionen. Die Tabelle 2 zeigt sowohl die ständige wie auch die nichtständige Wohnbevölkerung.
Auffällig ist, dass die ständige Wohnbevölkerung deutlich stärker als die nichtständige Wohnbevölkerung wächst: Die Wohnbevölkerung mit Schweizer Pass wächst aufgrund der Einbürgerungen. Ins Auge sticht das Wachstum der ständigen Wohnbevölkerung, massgebend getrieben durch Aufenthalter B und Niedergelassene C (ca. 2/3 EU/EFTA und 1/3 Drittstaaten).
Der Rest ist quasi vernachlässigbar, wobei die Schutzbedürftigen S (Ukraine-Flüchtlinge) ab 2023 der ständigen Wohnbevölkerung zugeordnet wurden.
Die Zahlen machen den Eindruck, dass Personen aus der Asylschiene nach Erteilung eines Aufenthalts- oder Niederlassungsstatus in der Gesamtstatistik nicht mehr als ursprüngliche Asylzuwanderung erkennbar sind, weil die Zahl der über die Asylschiene in der Schweiz lebenden Personen mutmasslich deutlich höher ist.
Licht ins Thema bringt die SEM-Statistik (Link, siehe wichtigste Eckdaten, Tabelle 1 Bestand): Ihr zufolge leben Ende 2025 in der Schweiz 235’057 Personen, die aktuell dem Asylbereich zugeordnet werden. Ohne Schutzstatus S (71'762 Personen aus der Ukraine) und ohne hängige S-Verfahren (4'898 Personen) sind es 158’397 Personen.
Die effektive Zahl aller seit 1990 über den Asylweg eingewanderten und heute noch hier lebenden Menschen wird höher liegen, weil Eingebürgerte und Personen, die in eine ordentliche Aufenthaltsbewilligung B und C gewechselt haben, die SEM-Asylstatistik verlassen. Die rund 235'000 Personen sind also eine Untergrenze, kein Gesamtbild.
Tabelle 3: Jährliche Bestandesveränderung (berechnet).
Tabelle 3 erhebt rechnerisch die jährlichen Veränderungen aufgrund des Bevölkerungsbestandes aus Tabelle 2. Im Vergleich mit Tabelle 4 (der offiziellen BFS-Bevölkerungsveränderung) zeigt sich, dass die dort ausgewiesenen Bewegungen (Ein- und Auswanderungen, Statuswechsel) deutlich grösser sind als die reinen Bestandesdifferenzen.
Dies bekräftigt die Feststellung, dass Personen aus der Asylschiene durch Statuswechsel in andere Kategorien übertreten und dort statistisch nicht mehr als ursprüngliche Asylzuwanderung erkennbar sind.
Für die nichtständige Wohnbevölkerung fehlen gemäss aktuellem Wissensstand vergleichbare Detaildaten. Dazu liefert Tabelle 3 zumindest einen Indikator für die Grössenordnung.
Tabelle 4: Bevölkerungsveränderung Schweiz (BFS).
Tabelle 4 zeigt die jährlichen Veränderungen innerhalb der ständigen Wohnbevölkerung. Für die nichtständige Wohnbevölkerung fehlen gemäss aktuellem Wissensstand vergleichbare Detaildaten, oder sie sind nicht mit vertretbarem Aufwand zusammenzustellen.
Hier sind die Personen aus der entsprechenden Migrations- und Statuswechselgrösse ersichtlich.
Diese Grössenordnung entspricht ungefähr jener der Einbürgerungen. Letztere reduzieren die Ausländeranteile erheblich. Interessant ist, dass die Migrationsschiene der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung von 2010 bis 2024 summiert 483’066 Personen umfasst hat. In der SEM-Statistik werden aber gemäss Kommentar bei Tabelle 2 nur rund 235’000 Personen geführt. Diese Abweichung kann durch Einbürgerungen, Wechsel in ordentliche Aufenthaltsbewilligungen, Ausreisen, Wegweisungsvollzug und Todesfälle erklärt werden.
Auffällig sind zudem die hohen Werte bei den Ein- und Auswanderungen, die eine sehr hohe «Drehung» aufzeigen.
Der Geburtenüberschuss der Bevölkerung mit Schweizer Pass ist rückläufig. Bei der ständigen Wohnbevölkerung insgesamt ist er trotz einer gewissen Stabilisierung in den letzten drei Jahren weiterhin rückläufig.
Tabelle 5: Grenzgänger Schweiz.
Die Grenzgänger sind in der Tabelle 5 speziell zu betrachten, weil ihre Arbeitsleistung das BIP der Schweiz erhöht, sich jedoch im BIP/Kopf nicht niederschlägt, da ihre Zahl nicht in der Bevölkerungszahl enthalten ist.
Auffällig ist ihr Anteil von 4.5% an der ständigen Wohnbevölkerung. Das Bevölkerungstotal inkl. nichtständige Wohnbevölkerung und Grenzgänger liegt bereits 2024 knapp über 9.5 Millionen.
Die Kantone Genf, Tessin, Waadt und die Region Basel (Total aus Basel-Stadt und Basel-Land) halten zweistellige Prozentanteile am Total der Grenzgänger.
Analog dazu sind die Branchen Bau/Planung sowie Gesundheit/Pflege/Betreuung die Spitzenreiter und damit Branchen, die vom quantitativen Wachstum profitieren. Ebenfalls stark sind unternehmensnahe Dienstleistungen, bei denen entweder inländische Arbeitskräfte fehlen oder die Unternehmen gezielt auf kostengünstigere Arbeitskräfte aus dem grenznahen Ausland setzen.
Spannend in dieser Betrachtung sind die Effekte: Einerseits stützt die Schweiz das grenznahe Ausland erheblich, andererseits verzichten die Kantone teilweise auf Steuersubstrat, und der Zustrom an Grenzgängern kann den Druck für Effizienzsteigerungen im Inland reduzieren.
Tabelle 6: Erwerbstätige Schweiz.
Der Anteil der Erwerbstätigen an der ständigen Wohnbevölkerung findet sich in Tabelle 6 und liegt langfristig stabil bei knapp 49%, bezogen auf die Gesamtbevölkerung inkl. Grenzgänger bei rund 46%, mit leicht steigender Tendenz.
Wie bei den Grenzgängern ergibt sich das gleiche Bild bei den Vollzeitäquivalenten: Gesundheit/Pflege/Betreuung, Bau/Planung und unternehmensnahe Dienstleistungen sind die stärksten Branchen. Diese profitieren vom BIP- und Bevölkerungswachstum am meisten.
Interessant ist, dass der Teilzeitgrad über die Jahre gleichbleibend bei rund 78% ist. Nahezu gleich wachsen die beschäftigten Personen und die Vollzeitäquivalente. Eine deutliche Zunahme der Teilzeitbeschäftigung ist hier nicht erkennbar. Dasselbe gilt für den Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung, welcher moderat zunehmend ist.
Rückläufig sind beschäftigungsintensive Branchen wie der Detailhandel, Industrie/Produktion/Rest sowie weniger beschäftigungsintensive Branchen wie die Landwirtschaft und die Metallindustrie.
Tabelle 7: Arbeitslose Schweiz.
Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist gemäss Tabelle 7 ausserordentlich tief und stabil. Sie ist langfristig rückläufig, zuletzt jedoch mit leichter Zunahme.
Der Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbstätigen wie auch die Arbeitslosenquote sind rückläufig.
Die Arbeitslosigkeit ist in den Branchen Bau/Planung, Gesundheit/Pflege/Betreuung, Gastgewerbe/Tourismus und unternehmensnahe Dienstleistungen anteilsmässig am höchsten.
Auffällig ist, dass bei Gesundheit/Pflege/Betreuung die Arbeitslosigkeit bei den Schweizern am höchsten ist und bei Bau/Planung unter deutlicher Zunahme sowie Gastgewerbe/Tourismus unter deutlicher Abnahme bei der ausländischen ständigen Wohnbevölkerung am höchsten ist.
Dass diese Werte mit den Grenzgängerbranchen im Einklang sind, kann darauf hinweisen, dass der Inländervorrang ungenügend greift und dass diese Branchen ihre Probleme tendenziell auf das Gemeinwesen abwälzen.
Auffällig ist, dass kleinere Branchen zum Teil einen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnen. Dies insbesondere bei der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung (z.B. Chemie/Pharma, Verkehr/Logistik, unternehmensnahe Dienstleistungen, IT/Kommunikation/Medien und Bildung/Forschung).
Tabelle 8: Gemeldete offene Stellen Schweiz.
Tabelle 8 ist mit Vorsicht zu lesen, weil nicht alle offenen Stellen meldepflichtig sind oder gemeldet werden.
Das Verhältnis von Arbeitslosen zu offenen Stellen hat sich von rund 9:1 auf rund 3:1 verbessert. Der Arbeitsmarkt ist somit deutlich enger geworden.
Auffällig ist die massive Zunahme im Personalverleih. Dies legt nahe, dass Unternehmen Personalrisiken zunehmend in den Personalverleih auslagern.
Der Anteil der offenen Stellen ist sonst im Gastgewerbe/Tourismus am höchsten. Gleichzeitig verzeichnet die Branche den drittgrössten Anteil an Arbeitslosen primär bei der ausländischen ständigen Wohnbevölkerung.
Analog zur Tabelle 7 sind die sprunghaften Veränderungen bei kleineren Branchen zu beobachten.
Tabelle 9: Einwanderungsgrund.
Die Tabelle 9 hat eine andere Datenquelle (SEM) und zeigt eingangs die Unterschiede auf.
Interessant ist, dass 2024 knapp 64% Erwerbstätigkeit als Einwanderungsgrund angeben. Zusammen mit Familiennachzug und Aus-/Weiterbildung macht das über 90% aller Einwanderungen aus.
Dieses Bild ändert sich nicht grundlegend bei Betrachtung der 15 Jahre und der Durchschnittswerte: Erwerbstätigkeit als Einwanderungsgrund geben 63% an. Zählt man die Ausbildung hinzu sind bereits 72% abgedeckt. Der Familiennachzug macht 19% aus und die drei Werte betragen summiert 92%.
Die Asylschiene umfasst etwa 4%, was auf den ersten Blick unproblematisch erscheint. Allerdings sind die ukrainischen Flüchtlinge nicht sichtbar, was die Aussage stark relativiert und die Tabelle für die Gesamtbetrachtung der Asylschiene nur eingeschränkt brauchbar macht. Mehr zur Asylschiene siehe Tabelle 2 und 4.
Zudem erfasst die SEM-Statistik nur den Einwanderungsgrund bei Erstzulassung. Wer über die Asylschiene einreist, kann nach einem erfolgreichen Asylprozess oder einem späteren Statuswechsel als Aufenthalter B, Niedergelassener C, anerkannter Flüchtling oder Härtefall erscheinen.
Diese Personen sind damit statistisch nicht mehr als ursprüngliche Asylzuwanderung erkennbar. Der tatsächliche Umfang und Verbleib der Asylschiene ist in keiner der verfügbaren Statistiken mehr vollständig abgebildet. Dazu muss der SEM-Bericht per Ende Jahr konsultiert werden.
Tabelle 10: Altersstruktur.
Tabelle 10 muss sorgfältig gelesen werden, weil die Altersgruppen unterschiedlich viele Jahrgänge umfassen.
Die Anteile 2024 zeigen für die Altersgruppen Kinder/Jugendliche sowie Senioren pro Jahr einen Anteil von 1%. Die Altersgruppen Leistungs-/Erfahrungs-/Wissensträger umfassen rund 1.5% pro Jahr.
Der Anteil der Bevölkerung mit Schweizer Pass ist erkennbar rückläufig (minus 5 Prozentpunkte). Im Gegenzug nimmt der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung um 5 Prozentpunkte zu.
Die Anteile U55 nehmen um 1 Prozentpunkt ab. Die Anteile Ü54 nehmen um 1–2 Prozentpunkte zu. Damit altert die Bevölkerung erkennbar.
Bezieht man die Grössen auf die 2010er-Werte, dann wird die Altersverschiebung markant.
Doch sehr auffällig ist Folgendes: Die einzige rückläufige Altersgruppe sind jene Menschen mit Schweizer Pass zwischen 40 und 54 (Jahrgänge 70er bis Mitte 80er Jahre). Diese Gruppe wurde durch ausländische Personen kompensiert, aber wächst nicht im gleichen Masse wie die anderen Gruppen. Dies könnte durch den Pillenknick und die überdurchschnittliche Auswanderung gut ausgebildeter Schweizer dieser Jahrgänge erklärbar sein.
Relevant ist die Gesamtbevölkerung der Schweiz, also die ständige und nichtständige Wohnbevölkerung. Sie nimmt von 2010 bis 2024 um 15.1% zu. Die Altersgruppe 0 bis 39 Jahre nimmt um 10.8% zu. Die Altersgruppe 40 bis 54 Jahre stagniert mit 1.8% Wachstum. Die Altersgruppe 55 und älter nimmt um 33.1% zu. Sprünge sind nicht ersichtlich (siehe Grafik), sondern eine stetige Entwicklung. Sichtbar ist vor allem der Pillenknick in der Altersgruppe 40 bis 54. Für diese demografische Delle benötigen wir eine Lösung. Eine Zuwanderung ohne Ende ist nicht erforderlich.
Hinweis zur Einordnung (Disclaimer).
Diese Faktenlage ist eine publizistische Aufbereitung und Auswertung öffentlich zugänglicher Statistiken von BFS und SEM. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine amtliche Behördeninformation. Die Tabellen und Schlussfolgerungen wurden nach bestem Wissen erstellt; Fehler oder methodische Abweichungen können trotz sorgfältiger Prüfung nicht vollständig ausgeschlossen werden. Hinweise und Korrekturen nehmen wir gerne entgegen.