be free. stay free. stay tuned.

Der Kriminalroman «Das Kreuz des Francesco Bernardi» ist der erste Fall des Tessiner Commissarios Francesco Bernardi. smartmyway veröffentlich die Fortsetzungsgeschichte von Roland Voser erstmals auf smartmyway.

 

Einführung.

Die Auszeit des Tessiner Commissarios Francesco Bernardi im Sottoceneri hätte ruhig und erholsam werden sollen. Doch dann geschieht ein verstörender Mord.

#Kriminalroman #Sommer2026

Eine Journalistin hat mir vor etwa einem Jahr geschrieben, dass man sich nicht zu lange mit dem Paket Schweiz-EU («Bilaterale III») befassen sollte. Es würde einem aufs Gemüt fallen. Da hat sie recht, Politik ist alles andere als bekömmlich.

Hier also für Sie wie für uns der Ausgleich dazu. Wir haben uns überlegt, was wir schon immer einmal machen wollten und hier ist er, unser erster Kriminalroman. Ich schreibe und Maurizio publiziert.

Wir veröffentlichen die Kapitel fortlaufend auf dieser Seite und kündigen sie auf dem LinkedIn-Profil von Roland Voser an («verbinden Sie sich gerne mit mir!»). Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme und jede Rückmeldung.

Wir wünschen Ihnen gute Lektüre!

Roland Voser & Maurizio Vogrig, 25. Juli 2026

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Kapitel 1.

Kapitel 1 | 25.7.2026
Das weisse Zimmer.

Oder warum man keine Verträge unterschreibt, die man nicht gelesen und verstanden hat.

#Bilaterale3Nein #Sommerserie2026

Bernardi schaut nochmals in die Akte. Die Buchstaben sind ihm vertraut, doch die Wörter ergeben keinen Sinn. Es hätte auch ein Kochrezept sein können. Lässt ihn jetzt seine Kombinatorik im Stich?

Er schaut hilflos von den Akten auf und zu den Kollegen. Niemand erklärt ihm etwas und wenn, dann sind es keine brauchbaren Informationen. Bernardi will sprechen. Doch seine Stimme ist tonlos. 

Am Ende des Korridors steht Giulia. Sie sagt etwas zu ihm, aber er kann sie nicht verstehen. Hinter ihr ist die Wand hell erleuchtet.

Bernardi wacht auf.

Für einen Moment bleibt er regungslos liegen. Dann hört er den Regen. Nicht heftig, eher ausdauernd. Er sucht die Akten vergebens. «Immerhin war der Traum nicht besonders schwer zu deuten», denkt er und schaut zur hellsten Stelle des Raumes.

Das Fenster ist weiss. Kein Milchglas, sondern der Nebelregen hat seine Wand direkt vor dem Glas aufgebaut. Keine Aussicht, die sich zu erwähnen lohnt.

Bernardi ist froh, dass er seine Filzpantoffeln eingepackt hat. Für den manchmal nasskühlen Tessiner Frühling sind sie eine nützliche Empfehlung. Er schaut ins Weisse und fragt sich, ob es wohl noch Frühstück gibt. Es ist allerdings bald nach 11 Uhr, und die beim Abräumen stets speditiveren Gastgeber haben ihr Werk wohl schon vollbracht.

Also bleibt er noch liegen. Dann steht er auf, nur um sich gleich wieder zu setzen.

Die Beine ausgestreckt, den gepolsterten Stuhl zum kleinen Balkon seines Zimmers ausgerichtet. Am Geländer hängen Regentropfen. Am Boden zucken ihre Einschläge und jene der von viel weiter oben herabfallenden Exemplare.

Er beginnt sie zu zählen. Aber die Zahl ändert sich ständig. Also lässt er es. Ein Inventar ohne Nutzen.

Was jetzt? Da sitzt er hier in diesem Hotelzimmer. Francesco Bernardi, Commissario della Polizia Cantonale, stationiert im modernen Polizeiposten in der Nähe des Lidos in Locarno, hat sich hier im Sottoceneri im Kurhaus di Cademario einquartiert.

Das Gebäude wurde in den letzten Jahren renoviert, hat sich aber den Charme eines Baus vom Anfang des letzten Jahrhunderts bewahrt.

Vor drei Wochen hat sich Bernardi im Spiegel betrachtet und festgestellt, wie alt er geworden ist. Eigentlich ist er immer noch stattlich, mit grauem Kopfhaar zwar, aber wenigstens hat er noch welches, und zwar durchaus genügend. Aber sein Gesicht ist grau geworden, und er schleppt mindestens 15 Kilos zu viel mit sich herum. Er weiss, dass er etwas an sich ändern muss. Aber Sport war nie seine Leidenschaft.

Er dreht seinen Kopf zum Zimmerspiegel und betrachtet sich genauer. Dann stellt er fest, dass er unrasiert ist. Er hat wieder geduscht, ohne sich vorher zu rasieren. 

«Also dann halt jetzt», sagt er sich, geht ins Bad, feuchtet die Haut an, verteilt den Rasierschaum und zieht sich langsam die Klinge über sein Gesicht. Vorsichtig, dass kein verbrauchter Schaum auf das frische Hemd fällt.

Er schläft seit Monaten nicht mehr wirklich gut. Dafür könnte er nach dem Mittagessen regelmässig in den tiefsten Schlaf sinken. Manchmal tut er das auch. Seine persönliche Siesta nimmt er sich, wenn es die Situation erlaubt. «Man wird älter», denkt er und fragt sich, wie lange er diese Arbeitskadenz noch aufrechterhalten kann. Unregelmässige Einsätze, lange Tage und noch längere Nächte sind dafür die Regel.

Wie auch immer, entscheidend ist, dass er sich mit seinen 61 Jahren die Pension nicht vergeigen will. Er hat es bis hierhergeschafft, jetzt wird durchgehalten und dann entspannt der Lebensrest in Angriff genommen. Auf die Frage, wie das genau funktionieren soll, hat er bisher keine wirklich passende Antwort gefunden.

Bernardi trocknet sein Gesicht und desinfiziert es mit einem Rasierwasser, dessen Marke ihn bereits ein Leben lang begleitet. Er setzt sich zurück in seinen einfachen Hotelzimmersessel. Sein Blick gleitet zurück zum Fenster.

Er, der Chef der Locarneser Kriminalpolizei, braucht Erholung. Zwar ist er mit seinen Ermittlungen nach wie vor erfolgreich, doch die Anstrengung nimmt zu. Bernardi weiss, dass man sich auch mit bemerkenswerter Selbstkontrolle in einen Burn-out hineinarbeiten kann. Er kann das nicht länger ignorieren.

Giulia, seine Frau, meint denn auch, dass er für eine Weile von der Bildfläche verschwinden oder wenigstens nicht jeden Tag in der Schusslinie stehen soll. Ein Ort, nicht allzu weit weg, wäre ideal. Gerade so weit entfernt, dass sie sich jederzeit problemlos sehen können, aber mit genügend Distanz zum unmittelbaren Tagesgeschäft und einer Aussicht auf andere Orte und Dinge im Leben. Ruhe und Inspiration wünscht er sich.

«Irgendwann solltest du deine Überstunden abbauen, Cecco. Meinst du nicht auch?», hat Giulia Anfang Jahr erklärt, als der Jahresabschluss im Kommissariat das Gespräch wieder auf diesen Punkt gebracht hat.

Michaela, seine Tochter, lag ihm schon lange in den Ohren mit einem Sprachkurs. Er solle jetzt endlich besser Deutsch lernen, damit er das Tessin in der Deutschschweiz im Kreis der Kommissare adäquater vertreten könne. Es gäbe prächtige Sprach-Apps, die ihn dabei bestens unterstützen könnten. Als neue Morgenroutine wären die 10 Minuten Deutschkurs problemlos leistbar.

Bernardi konnte keine Argumente dagegen finden, wie jedesmal bei seiner Tochter, die sich beim Filmfestival Locarno engagiert und international kommuniziert, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Das Liceo hatte bei ihm mit seinen Deutschlektionen tatsächlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Er kennt seine Tochter allerdings gut. Da steckt irgendetwas dahinter. Er hatte allerdings noch nicht herausgefunden was.

Professoressa Giulia Bernardi ist Dozentin am Conservatorio in Lugano. Mit 52 Jahren ist sie in ihren besten Jahren und kann die Jugendlichen mit der richtigen Balance von Sanftheit und Härte zu erstaunlichen Leistungen bewegen.

Sie gehört zu jenen wenigen Musikern, die sich der Oboe verschrieben haben. Diesem Instrument, das jeweils im Orchester den Stimmton angibt, weil sein Rohrblatt äusserst empfindlich auf die Umwelt reagiert und seine kaum korrigierbare Tonhöhe zur Referenz wird.

Bernardi hört sich auf dem Handy das letzte Konzert seiner Frau an. Sie hat einen wunderbaren Ton. Wann hat Giulia geschrieben, dass sie ihn das nächste Mal besuchen kommt?

Zum Kurhaus ist es mit ihrer alten C-Klasse in knapp 20 Minuten zu schaffen. Der Wagen ist nicht schnell, aber zuverlässig und hat Platz für Instrumente und die Dinge, die für Konzerte ihrer Schüler oft noch schnell herbeigeschafft werden müssen.

Offiziell lautet die Sprachregelung, dass Capo Commissario Francesco Bernardi seine wohlverdiente Auszeit angetreten habe und nun ein Erfahrungsbericht schreibe, in dem er die Muster der von ihm ermittelten Verbrechen ergründen und festhalten will. Das klingt sachlich, wie das Erarbeiten einer Ausbildungsunterlage.

Doch es geht dem Commissario in erster Linie um eine Aufarbeitung seiner Erfahrungen in diesem belastenden Umfeld. Er überlegt sich schon geraume Zeit, wie weit er gehen solle. Denn Veröffentlichungen erzeugen im Tessin jeweils etwas Unruhe. Die Dinge sollen ruhen. Nicht unangenehm wieder an die Oberfläche geraten.

Aber Bernardi mag diese Spannung.

Es wird heller. Er erkennt durch das Fenster die Umrisse vom gegenüberliegenden Collina d’Oro. Die Silhouette der Chiesa di Sant'Abbondio ist sichtbar. Im Hintergrund werden bald nur noch Wolkenfetzen vor den sich offenbarenden steilen Hängen des San Salvatore übrig bleiben.

Hermann Hesse müsste ihn nächstens vom Friedhof in Gentilino her auf der gegenüberliegenden Anhöhe sehen können. Von diesem kleinen Monte Verità im Sottoceneri. Davor die A2, die europäische Hauptachse von Norden durch den Gotthard nach Süden. Bernardi beobachtet jeden Abend den regelmässigen Stau.

«Erstaunlich, was sich die Leute auf ihrer Reise antun», sagt Bernardi in den leeren Raum. «Aber das Tessin war schon immer der erste Sehnsuchtsort der Deutschen und Deutschschweizer.»

Bernardi rückt den Computer zurecht. «Ich bin nicht in Schreibstimmung», brummt er, steht auf und geht hinunter zum Aperitivo an die Bar. Bald ist Mittagessen.

Er hat noch keine Zeile geschrieben. Aber der Tag kann beginnen. Von unten sind Stimmen zu hören. Andere haben die gleiche Idee gehabt.

Eine Stimme ist ihm vertraut.

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Und niemand weiss, was von uns übrig bleibt.

Die politische Führung und die Verwaltung vertreten mehrheitlich die offizielle Linie zum Paket Schweiz-EU («Bilaterale III»).

Wir hinterfragen diese aus unserer Sicht zu pauschale Haltung. Denn niemand kann heute sicher sagen, was die Konsequenzen aus diesen Abkommen sind.

#Bilaterale3Nein #Sommerserie2026