Ohne Einsicht keine Energiewende.

Das Energie-Trilemma: Wenn die Schweiz ihren Wohlstand halten will, muss sie der Energiewende endlich ins Auge sehen. Ob es uns gefällt oder nicht.

Energiediskussionen sind in der Schweiz schwierig zu verfolgen, weil die Faktenlage diffus ist und oft nur Teilaspekte diskutiert werden. Dabei geht das grosse Bild aus dem Blick verloren. Was sind die Eckpunkte, die die Energiewende antreiben, und was ist eigentlich der Finanzierungsbedarf dieses gigantischen Vorhabens?

Getriggert haben uns einerseits die Diskussion über das Kernkrafttechnologieverbot im Ständerat (Link), die revidierte Haltung der EU zur Kernenergie (Link) und andererseits die Aussagen aus Deutschland, die die Kosten für die Energiewende auf 5’000 Milliarden Euro veranschlagen (Link). Und natürlich die Narrative aus den linken und rechten Lagern.

Wir kommen zum Schluss, dass in der Schweiz der Voranschlag für die Energiewende sowohl inhaltlich als auch finanziell in der öffentlichen Wahrnehmung nur unvollständig auf dem Tisch liegt. Des Langen und Breiten werden im Gegenzug die formalen Sachzwänge diskutiert. Dieses Vorgehen erachten wir als risikoreich und nicht zielführend. Wie will man über Formelles diskutieren, wenn der Inhalt unklar ist? Und: Unfertige Lösungen schaffen Tatsachen, die nur schwer und äusserst teuer zu korrigieren sind.

Die Schweizer Konsenspolitik hat ihre Vor- und Nachteile. Aus unserer Sicht werden wirklich grosse politische Vorhaben lanciert, die unausgegoren sind, weil man sich jeweils auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt. Ein halbes Jahr, nach dem der Kernkraftausstieg vom Volk abgelehnt wurde, beschliesst die Schweiz beiläufig ein Technologieverbot, was jenem faktisch gleich kommt. Und schaut im Anschluss, was passiert. Doch wer rechnen kann, erkennt rasch die Widersprüche und Unvollständigkeit solcher Vorgehen.

Wir beobachten, dass so im Gesamtblick bei den grossen Herausforderungen systematisch die politisch am ehesten machbarste aller Lösungen verfolgt wird. Die Beste muss es nicht sein. Ob damit das Grundproblem gelöst wird, ist nebensächlich. Als Paradebeispiel dienen hier die «Bilateralen III», die aus unserer Sicht sogar tatsächlich die schlechteste Variante zwischen EU-Mitgliedschaft, EWR-Mitgliedschaft und diesen Teilintegrationsverträgen ist (Link).

So sehen wir es auch in der Energiefrage. Unsere Hypothese ist, dass die Energiewende scheitern wird, wenn die Schweiz derart unvollständig weitermacht, das elementare Spannungsfeld nicht klar benennt und dieses in eine gesellschaftlich verträgliche Balance bringt:

  • «Zuwanderung wie bisher»,

  • «Wohlstandserhalt für alle» und

  • «Nachhaltigkeit mit CO2-Neutralität».

Das ist es doch, was alle wollen.

Unseres Erachtens lassen Bundesrat und Verwaltung die Bevölkerung im Glauben, dass jeder dieser drei Faktoren auch künftig unverändert, also ohne Abstriche, möglich sei. Das ist nachvollziehbar, weil die Umkehrthese erheblichen Zündstoff beinhaltet und angesichts des finanziellen Mittelbedarfs letztlich den sozialen Frieden mit grosser Wahrscheinlichkeit gefährden könnte.

Der folgende Artikel soll hier klären und als Impuls für eine neue, zielführende Energiediskussion dienen.

Roland Voser & Maurizio Vogrig, 15. März 2026. Juni 2025

 

1. Was ist der zweckmässige Rahmen für das Energiekonzept?

Energie ist der Treiber jeder modernen Gesellschaft. Ihre Bedeutung wird weiter zunehmen.

Im Kern stellt sich die Frage, mit welchen Energieträgern der künftige Bedarf der Schweiz gedeckt werden kann. Nicht primär in ferner Zukunft, sondern jetzt ist von Interesse, wie dies ab heute erfolgen kann, mit einem Horizont über die nächsten 25 Jahre. Dabei ist die Monatsbetrachtung entscheidend, denn in den Wintermonaten fehlt Energie, und in den Sommermonaten sind Überschüsse vorhanden.

Wir haben auch gelernt, dass Energie nicht ohne Weiteres vom Sommer in den Winter transportiert werden kann, denn sowohl die Speicherung als auch die Übertragungsnetze haben physikalische Grenzen.

Daraus ergibt sich der Fokus auf die Wintermonate. Die zentrale Grundfrage ist: Wie kann die Schweiz ohne strukturell erforderliche Importe selbst und aus eigener Kraft die nötige CO2-neutrale Winterenergie gesichert bereitstellen?

Wir nehmen also bewusst den anspruchsvollsten Fall für unsere theoretische Betrachtung an. Wenn die Praxis Erleichterungen beisteuert, dann sind sie willkommene Hilfen in der realen Umsetzung.

Ein Energiekonzept 2050 für die Schweiz müsste aus unserer Sicht folgende Prämissen erfüllen:

  1. Fossile vollständig abgelöst

  2. Zielgerichtete Zuwanderung im gleichen Masse wie in den letzten 25 Jahren

  3. Gleichbleibender Wohlstand für alle

  4. CO2-neutraler Ersatz bzw. Erneuerung und Ausbau bestehender Kernkraft

  5. Kein strukturell erforderlicher Energieimport

Einwänden, diese Prämissen seien zu einschränkend, entgegnen wir, dass diese Prämissen im Grunde der korrekte Rahmen für eine weltweit erfolgreiche Energiewende sind. Wenn also die Schweiz diese nicht einhalten kann, wer denn sonst?

Die damit implizit verbundene Autarkie entstammt also nicht einer nostalgischen «Reduit-Haltung», sondern wird schlicht unausweichlich, wenn die Energiewende konsequent verfolgt werden soll.

2. Wo steht die Schweiz heute?

Die Schweiz deckt ihren heutigen Endenergiebedarf überwiegend mit Energieträgern, die unter den genannten Prämissen nicht bestehen bleiben können. Gemäss Bundesamt für Energie lag der Endenergieverbrauch 2024 bei 776'220 TJ, also rund 216 TWh (Link Gesamtenergiestatistik und Link Publikation, inkl. Schätzung 2025). Davon entfielen

  • 49.4 Prozent auf Erdölprodukte,

  • 26.1 Prozent auf Elektrizität,

  • 14.4 Prozent auf Gas,

  • 6.2 Prozent auf Holz und Holzkohle,

  • 2.9 Prozent auf Fernwärme und

  • 1.0 Prozent auf Kohle.

Insgesamt waren 29.9 Prozent des Endenergieverbrauchs erneuerbar und 70.1 Prozent nicht erneuerbar.

Unter den hier gesetzten Prämissen müssten deshalb vor allem die nicht CO2-neutralen Energieträger ersetzt werden. Das betrifft in erster Linie die Erdölprodukte, das Gas sowie die kleinen fossilen Restanteile wie Kohle.

Nicht grundsätzlich ersetzt werden müssten dagegen die bereits CO2-armen oder erneuerbaren Energieträger, also insbesondere Wasserkraft, bestehende und zu erneuernde Kernkraft, Holz und übrige Biomasse, Umweltwärme, Solarenergie, Windenergie sowie weitere erneuerbare Anteile innerhalb des Energiesystems.

3. Was sind die wichtigsten Herausforderungen?

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, dass der heutige fossile Anteil von rund 70 Prozent des Endenergieverbrauchs nicht einfach wegfällt, sondern durch CO2-neutrale Energie ersetzt werden muss. Das entspricht auf Basis der heutigen Struktur einer Grössenordnung von rund 151 TWh pro Jahr.

Unter der zusätzlichen Annahme einer weiterlaufenden Zuwanderung im bisherigen Ausmass und eines gehaltenen Wohlstands ist deshalb eher von einem Zubaubedarf in der Grössenordnung von rund 150 bis 160 TWh CO2-neutraler Energie bis 2050 auszugehen (Link Energieperspektiven 2050+ und Link Bericht Energieperspektiven).

Zwar kann die Elektrifizierung in einzelnen Bereichen den Endenergiebedarf senken, etwa weil Wärmepumpen effizienter sind als Öl- oder Gasheizungen. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Schweiz in grosser Grössenordnung zusätzliche CO2-neutrale Energie und insbesondere gesicherte Winterenergie aufbauen muss (Link Monitoring-Bericht 2025).

Kritisch sind die Wintermonate, weil dort der Bedarf nachvollziehbar deutlich höher ist. Entscheidend ist dabei nicht der gesamte Winterenergieverbrauch als solcher, sondern jene gesicherte Winterenergie, die nach Abzug der zuverlässig verfügbaren inländischen Produktion zusätzlich CO2-neutral bereitgestellt werden müsste. Diese Winterdeckung ist der neuralgische Punkt der Versorgungssicherheit (Link ElCom News und Link ElCom PDF Winterproduktionsfähigkeit).

CO2-neutral lässt sich diese gesicherte Winterenergie grundsätzlich über Strom und strombasierte Systeme decken. Für die hier interessierende zusätzliche, gesicherte Winterenergie kommen deshalb im Kern Windkraft, Kernkraft oder eine Kombination davon in Betracht. Wir konzentrieren uns auf die heute verfügbare Technologien, obwohl vielversprechende neue Innovationen in Entwicklung sind (z.B. Link Transmutex).

4. Was sind die Eckpunkte für Kernkraft?

Ein zukünftiges Kernkraftwerk für die Schweiz wäre wohl ein AP1000 von Westinghouse, ein APR1400 von KHNP oder ein ähnlicher moderner Druckwasserreaktor (Link Westinghouse AP1000 und Link KHNP APR1400).

Es wäre in einer ähnlichen Leistungsgrössenordnung wie Gösgen und etwas kleiner als Leibstadt, würde als grobe Planungsgrösse rund 10 Milliarden Franken kosten, wobei je nach Standort, Bewilligungsverfahren, Finanzierung und Bauverlauf auch 12 bis 15 Milliarden Franken realistisch sein können, jährlich ungefähr 8 bis 10 TWh Strom liefern und rein technisch ab Bewilligung bis zur Inbetriebnahme realistischerweise etwa 5 bis 7 Jahre Bauzeit benötigen (Link Westinghouse AP1000, Link KHNP APR1400 und Link World Nuclear Association).

5. Was sind die Eckpunkte für Windkraft?

Ein zukünftiger Windpark für die Schweiz würde wohl aus modernen Onshore-Anlagen der 6- bis 7-MW-Klasse bestehen, etwa einer Vestas V172-7.2 MW oder einer ähnlichen Turbine (Link Vestas V172-7.2 MW).

Ein Park mit sechs solchen Anlagen hätte grob 40 MW installierte Leistung, würde als grobe Planungsgrösse etwa 50 bis 80 Millionen Franken kosten, jährlich ungefähr 70 bis 100 GWh Strom liefern, davon rund zwei Drittel im Winter, und rein technisch ab Bewilligung bis zur Inbetriebnahme etwa 1 bis 2 Jahre Bauzeit benötigen (Link Fraunhofer ISE, Link BFE Windenergie und Link Local Energy Scotland).

Für eine jährliche Strommenge als Ersatz für ein Kernkraftwerk in der Grössenordnung von Gösgen oder Leibstadt wären damit grob rund 500 bis 850 Windanlagen dieser Klasse und Investitionen von etwa 4 bis 11 Milliarden Franken nötig (Link ENSI Gösgen und Link KKL Leibstadt).

6. Wie gross ist der Zubaubedarf?

Wenn man für die Schweiz bis 2050 von einem zusätzlichen CO2-neutralen Energiebedarf von rund 160 TWh ausgeht, dann wird die Grössenordnung des Problems mit der Winterfrage sichtbar.

Entscheidend ist nicht nur, wie viel Energie im Jahresmittel fehlt, sondern wie viel davon in den kritischen Wintermonaten gesichert bereitstehen muss. Die ElCom arbeitet dafür mit einem gesetzlichen Richtwert von maximal 5 TWh Nettoimport im Winterhalbjahr. Je nach Nachfrage- und Ausbauszenario reicht die Bandbreite des Winterimportbedarfs bis 2035 aber von 0 bis rund 13 TWh (Link ElCom News und Link ElCom PDF Winterproduktionsfähigkeit).

6.1 Wieviele Kernkraftwerke benötigt es?

Nimmt man als Referenz einen modernen Grossreaktor wie den AP1000, dann liefert ein solcher Reaktor mit 1’110 MW Nettoleistung grob 8 bis 10 TWh Strom pro Jahr. Da Kernkraft über das Jahr relativ gleichmässig produziert, entsprechen diese 8 bis 10 TWh im Jahresmittel ungefähr 4 bis 5 TWh im Winterhalbjahr (Link Westinghouse AP1000).

Rein rechnerisch würde damit bereits 1 AP1000 ungefähr den heutigen gesetzlichen Winterrichtwert von 5 TWh abdecken. Für eine Winterlücke von 13 TWh wären grob 3 AP1000 nötig.

Wollte man den gesamten zusätzlichen Bedarf von 160 TWh allein mit solchen Reaktoren decken, ergäbe das rund 16 bis 20 neue Grossreaktoren.

6.2 Wieviele Windkraftanlagen benötigt es?

Bei der Windkraft sieht das Verhältnis anders aus. Das Bundesamt für Energie hält fest, dass Windanlagen in der Schweiz rund zwei Drittel ihres Stroms im Winterhalbjahr produzieren (Link BFE-Windenergie).

Gleichzeitig verweist der Bund auf ein bedeutendes technisches Windpotenzial von rund 30 TWh pro Jahr, davon 20 TWh im Winter (Link BFE-Windpotenzialstudie). Auf Basis unseres bisherigen Referenzparks mit sechs modernen 7.2-MW-Anlagen und einem Jahresertrag von etwa 70 bis 100 GWh ergibt sich pro einzelne Anlage ein Jahresertrag von rund 11.7 bis 16.7 GWh. Davon fallen im Winter etwa 7.8 bis 11.1 GWh an (LinkVestas V172-7.2 MW und Link Fraunhofer ISE).

Um eine Winterlücke von 5 TWh zu decken, wären deshalb grob 450 bis 640 solcher Anlagen nötig. Für 13 TWh Winterlücke läge die Grössenordnung bei rund 1’170 bis 1’670 Anlagen.

Wollte man den gesamten zusätzlichen Bedarf von 160 TWh pro Jahr allein mit Windkraft decken, ergäbe das rechnerisch rund 9’600 bis 13’700 grosse Windanlagen.

7. Was sind die Schlussfolgerungen?

Daraus folgt zweierlei.

  1. Für die Winterlücke ist Kernkraft in Bezug auf Energiedichte und gesicherte Leistung um Grössenordnungen konzentrierter als Windkraft.

  2. Windkraft ist trotzdem nicht nebensächlich, weil sie gerade im Winter überproportional liefert (Link BFE-Windenergie).

Windkraft ist daher eine wertvolle Ergänzung, aber nicht der tragende Einzelpfeiler für einen zusätzlichen Bedarf von 160 TWh. Das zeigt schon das offizielle Schweizer Windpotenzial von rund 30 TWh pro Jahr. Selbst wenn dieses Potenzial vollständig genutzt würde, blieben von 160 TWh immer noch rund 130 TWh offen. Diese Restmenge entspräche nochmals etwa 13 bis 17 AP1000-Reaktoren (Link BFE-Windpotenzialstudie und Link Westinghouse AP1000).

Die nüchterne Schlussfolgerung lautet deshalb: Wenn die Schweiz tatsächlich einen zusätzlichen CO2-neutralen Energiebedarf von rund 160 TWh decken und zugleich die Winterlücke ohne strukturell erforderliche Importe schliessen will, dann ist das realistisch nicht mit nur einem Energieträger möglich.

Windkraft kann einen wichtigen Winterbeitrag leisten, aber mengenmässig nur einen Teil. Auch die Photovoltaik kann, gerade mit alpinen Anlagen, einen wichtigen Beitrag zur Winterversorgung leisten. Sie ändert aber nichts daran, dass zusätzlich gesicherte, jederzeit verfügbare CO2-neutrale Energie benötigt wird (Link BFE Windenergie und Link BFE Photovoltaik Grossanlagen).

Die eigentliche gesicherte Winterbasis müsste in einem solchen Szenario aus Kernkraft oder einer anderen ebenso konzentrierten, jederzeit verfügbaren CO2-neutralen Energiequelle kommen. Rein rechnerisch würde bereits die Schliessung einer Winterlücke von 5 bis 13 TWh etwa 1 bis 3 neue Grossreaktoren oder einige Hundert bis weit über 1’000 grosse Windanlagen erfordern (Link Westinghouse AP1000 und Link BFE-Windpotenzialstudie).

8. Was ist das Fazit daraus?

8.1 Was ist die inhaltliche Betrachtung?

Diese einfache Betrachtung ist ernüchternd. Sie macht klar, dass der Energiebedarf ohne Wohlstandseinbussen und bei weiterem Wachstum realistischerweise nur mit einer Kombination aller verfügbaren CO2-neutralen Energieträger gedeckt werden kann.

Vielleicht haben Sie sich gefragt, weshalb wir den Import ausser Acht lassen. Der Grund ist einfach: In kritischen Perioden haben alle europäischen Länder ihre eigene Winterlücke zu schliessen. Gleichzeitig weiter französischen Atomstrom zu importieren und sich dabei als unabhängig von Kernkraft zu bezeichnen, ist eine Selbsttäuschung, die ein hochentwickeltes Land wie die Schweiz nicht länger verfolgen sollte.

Zusätzlich sind die Netze entscheidend. Können sie diese Mehrbelastung überhaupt tragen? Daraus folgt, dass auch eine kluge Kombination von dezentraler und zentraler Stromproduktion von entscheidender Bedeutung ist. Strom sollte dort produziert werden, wo er möglichst nahe am Verbrauch anfällt. Damit werden die Netze entlastet. Möglicherweise treffen wir bei den Netzen tatsächlich auf ein gravierendes Hindernis für die Energiewende. Denn die Schweiz soll zusätzlich als Transitland für den Stromausgleich in Europa dienen (Link Swissgrid Stromdrehscheibe Europa).

8.2 Was ist die finanzielle Betrachtung?

Damit wird der Investitionsbedarf sehr gross. Allein der nötige Ausbau der Stromproduktion würde nach unserer groben Rechnung Investitionen in hoher zweistelliger bis mehrfach dreistelliger Milliardenhöhe erfordern.

Würde das gesamte Windkraft-Potenzial von 30 TWh ausgeschöpft, wären dafür grob rund 1’800 bis 2’600 grosse Windanlagen nötig, wofür etwa 15 bis 35 Milliarden Franken investiert werden müssten. Würde der verbleibende Bedarf von rund 130 TWh mit Kernkraft gedeckt, wären dafür grob etwa 13 bis 17 neue Grossreaktoren nötig, wofür rund 156 bis 255 Milliarden Franken investiert werden müssten.

Daraus ergibt sich allein für den erforderlichen Ausbau der Stromproduktion ein gesamtes Investitionsvolumen von grob rund 171 bis 290 Milliarden Franken. Das entspricht etwa 14 bis 24 Gotthard-Basistunneln. Zum Vergleich: Der Gotthard-Basistunnel kostete 12.2 Milliarden Franken und liegt damit in der Grössenordnung eines Grossreaktors (Link Neat).

Spätestens an dieser Stelle erreichen wir die politische Dimension. Wie soll das alles finanziert werden? Es wären über 25 Jahre 6.8 bis 11.6 Milliarden Franken pro Jahr nötig. Der Ertrag aus der Mehrwertsteuer lag 2025 bei knapp 28 Milliarden Franken (Link EFV Voranschlag 2026). Die Mehrwertsteuer müsste also rein rechnerisch um rund 24 bis 41 Prozent beziehungsweise um etwa 2.0 bis 3.4 Prozentpunkte erhöht werden. Hinzu kämen die Kosten für Netzausbau, Speicher, Reservekapazitäten und so weiter.

Der Bund nennt für das Energiesystem bis 2050 eine Gesamtinvestition von rund 1'400 Milliarden Franken. Wie viel davon konkret auf den zusätzlich nötigen Ausbau der CO2-neutralen Stromproduktion entfällt, wenn die Fossilen wegfallen, wird in den publizierten Unterlagen unseres Wissens nicht transparent ausgewiesen (Link Energieperspektiven 2050+ Kurzbericht).

Sichtbar sind die Mehrinvestitionen gegenüber «Weiter wie bisher»: Für «Netto-Null» wären demnach 109 Milliarden Franken nötig, davon rund 38 Milliarden im Stromsystem inklusive Netzinfrastruktur. Das ist für uns nicht nachvollziehbar, weil schon die nötigen Stromproduktionsanlagen diese Summe überschreiten.

8.3 Was ist die Perspektive?

Die wohl grösste Hürde ist allerdings die Ideologie und auch hier wieder die seit Jahren anhaltende Spaltung des Landes in der Energiefrage. Denn selbst wenn das Technologieverbot fällt, braucht ein neues Kernkraftwerk wegen Verfahren, Bewilligungen und möglicher Volksabstimmungen zusätzlich viel Zeit. Das spricht nicht gegen Kernkraft, sondern gegen weiteres politisches Zuwarten.

Dieser Artikel will kein Energiekonzept schreiben. Das ist die Aufgabe des Bundes. Vielmehr zeigen wir auf, dass aus unserer Sicht die Konsequenzen weder inhaltlich noch finanziell genügend belastbar auf dem Tisch liegen. Wir fragen uns, wann der Souverän der Gesamt-Energiewende überhaupt zustimmen kann, also einer Lösung, die das Trilemma verträglich bewältigt, die Prämissen einhält, inhaltlich konkret ist und die Kosten für die Steuerzahler offenlegt.

Das Trilemma «Zuwanderung wie bisher», «Wohlstandserhalt für alle» und «Nachhaltigkeit mit CO2-Neutralität» finden wir bisher nirgends gelöst vor. Wir kommen zum Schluss, dass es ohne Kernkraft kaum gehen wird. Doch da bleiben die Gegner hart. So hart, dass sie damit einen Wohlstandsverlust in Kauf nehmen. Vielleicht ist das auch der realistischste Weg, weil die Energiewende heute offensichtlich weder inhaltlich genügend fixiert noch finanziell genügend unterlegt ist.

Wie werden die künftigen Geschichtsschreiber über unsere fatalistische Haltung in der Energiefrage wohl urteilen?

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Seit 2018 Chief Editor, Mitbegründer, Verwaltungsrat und Teilhaber von smartmyway, Autor, Coach, Mentor und Berater. Vorher als Geschäftsführer von Media Markt E-Commerce AG, Media Markt Basel AG, Microspot AG sowie in den Geschäftsleitungen von Interdiscount AG und NCR (Schweiz) AG tätig. Heute Digital Business Coach und Schreiberling.

Experte für Digitalisierung, Agile SW-Entwicklung, Digital-Business, Handel, Sales & Marketing, E-Commerce, Strategie, Geschäftsentwicklung, Transformationen, Turn Around, Innovation, Coaching, erneuerbare Energien, Medien, Professional Services, Category Management, Supply Chain Management